Magendrehung

Ursachen zur Magendrehung des Hundes

Der Magendilatation/Torsions-Komplex (MDTK) ist beim Hund eine akute, lebensbedrohliche Erkrankung. Sie entsteht durch eine schnelle Gasansammlung von Luft im Magen, die mit Lageveränderungen dieses Organs und je nach Ausmaß auch mit der seiner benachbarten Organe, z.B. Milz, Mesenterial- und Blutgefäßen verbunden ist. Diese Erscheinungen führen durch starken Druck auf die Blutgefäße zu einem Schock infolge mangelhafter Blutzufuhr. Wird die Magenaufgasung nicht umgehend durch eine Magensonde oder chirurgischen Eingriff beseitigt, kommt es sehr schnell zur Magennekrose mit ungünstigster Prognose. Die MDTK ist somit ein medizinischer Notfall, der schnellstens einer fachtierärztlichen Versorgung bedarf. Bei der Entstehung der Erkrankung liegt sicher nicht nur eine Ursache zugrunde. Eine erfolgreiche Prävention hängt daher auch von den Vorkenntnissen der Hundebesitzer, sowie den diätetischen und umweltbedingten Risikofaktoren ab. Darüber hinaus ist es wichtig zwischen den Risikofaktoren zu unterscheiden, welche die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Erkrankung erhöhen (prädisponierende Faktoren), und solchen, die eine akute MDTK auslösen (auslösende Faktoren). Zu den prädisponierenden Faktoren zählt der genetische Hintergrund des Hundes, sein Temperament oder seine Ernährung. Zu den auslösenden Faktoren gehören plötzliche Veränderungen in der Umwelt, wie Stress, oder in den Fütterungsgewohnheiten. Das Vorkommen der Erkrankung in den USA, ausgehend von den Klinikeinlieferungen stieg von 0,036 Prozent im Jahr 1964 bis auf 0,57 Prozent 1994. Das entspricht einem Zuwachs von etwa 1500 Prozent. Große und sehr große Hunderassen waren häufiger vom Auftreten der Erkrankung betroffen.

Risiko für das Auftreten der Erkrankung im Rassenvergleich

RASSE
Wahrscheinlichkeitsrate
Risikoposition
Deutsche Dogge 41,4 1
Bernhardiner 21,8 2
Weimaraner 19,3 3
Irish Setter 14,2 4
Gordon Setter 12,3 5
Pudel 8,8 6
Basset 5,9 7
Dobermann 5,5 8
Bobtail 4,8 9
Deutsch-Kurzhaar 4,6 10
Neufundländer 4,4 11
Deutscher Schäferhund 4,2 12
Airedale Terrier 4,1 13
Alaskan Malamute 4,1 14
Chesapeak Bay Retriever 3,7 15
Boxer 3,7 16
Collie 2,8 17
Labrador Retriever 2,0 18
English Springer Spaniel 2,0 19
Samojede 1,6 20
Dackel 1,6 21
Golden Retriever 1,2 22
Rottweiler 1,1 23
Amerik. Cocker Spaniel 0,6 25
Zwergpudel 0,3 26

Prognose
Von 1934 an MDTK erkrankten Hunden endeten 33,6 Prozent tödlich. Die Überlebensrate ist jedoch stark von der rechtzeitigen intensiven Behandlung abhängig. Viele Hunde könnten noch leben, wenn die Hundebesitzer in der Erkennung der frühen Symptome eines MDTK geschult und erfahren sind, bzw. rund um die Uhr eine Notfallsprechstunde zur Verfügung steht. Jüngere Tiere haben größere Aussichten, die Krankheit zu überstehen, als ältere. Der wichtigste prognostische Faktor scheint der Zustand des Magens zum Zeitpunkt der Behandlung zu sein; Hunde mit einer ausgeprägten Magennekrose haben in der Regel schlechte Aussichten. Die Rückfallquote nach überstandener MDTK liegt bei Tieren ohne Gastropexie (chirurgische Fixierung des Magens) bei etwa 60 - 70 Prozent mit Gastropexie bei 5,6 Prozent. Diese Ergebnisse werfen die Frage auf, ob bei gesunden Hunden, die aufgrund ihrer Größe, Rasse und Familiengeschichte ein hohes Risiko für einen MDTK aufweisen, prophylaktisch eine Gastropexie durchgeführt werden sollte.

Risikofaktoren
Die Körpergröße ist die wichtigste Determinante für einen MDTK. Es gibt jedoch bei erwachsenen Hunden ähnlicher Größe starke Unterschiede im Erkrankungsrisiko. So weisen beispielsweise der Irish und Gordon Setter ein ähnlich hohes Risiko wie sehr große Rassen auf, während das Risiko bei Labrador und Golden Retriever denen kleinerer Rassen näher kommt. Dies lässt vermuten, dass zusätzlich zur Körpergröße die Körpergestalt von Bedeutung ist. Das röntgenologisch ermittelte, mittlere Verhältnis von Brustkorbtiefe zu Brustkorbweite bei verschiedenen Rassen wurde als Funktion des MDTK-Risikos berechnet. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass 76 Prozent der Variabilität des rassebedingten Risikos durch die Brustkorbformen zusammen mit der adulten Körpergröße erklärt werden kann. Die Ursache dieser Beobachtungen bei Rassen mit einem hohen Risiko können darin liegen, da0 die Brustkorbformen, die für einen MDTK prädisponieren, über mehrere Gene vererbt werden. Dies wird durch die Tatsache unterstützt, dass die Analyse eines Irish Setter Stammbaumes über fünf Generationen hinweg zu einem höheren mittleren Beziehungskoeffizienten für Hunde mit einem MDTK im Vergleich zu solchen ohne MDTK führte. Zur Zeit laufen Propulationsstudien an Haushunden mit MDTK, welche andere Umweltfaktoren und durch den Hundehalter bedingte Einflüsse untersuchen die zum MDTK-Risiko beitragen. So wurden beispielsweise in einer kürzlich beendeten Studie 101 Haushunde mit einer ersten MDTK-Erkrankung (Patienten) mit 101 Hunden mit anderen Erkrankungen (Kontrollen) verglichen, die bestimmten Patienten aufgrund ihres Alters und ihrer Rasse (bei reinrassigen Tieren) oder ihrer Größe (bei Mischlingen) zugeordnet wurden. Als prädisponierende Faktoren, die das Risiko eines Hundes für einen MDTK signifikant erhöhen, ergaben sich männliches Geschlecht, Untergewicht, nur eine Mahlzeit am Tag, hastiges Fressen und ein ängstliches oder nervöses Temperament. Zu den prädisponierenden Faktoren, welche das Risiko eines MDTK signifikant herabsetzen, zählten der Zusatz von Speiseresten zu einer hauptsächlich aus Hundetrockenfutter bestehenden Diät und ein Temperament, das von den Haltern als fröhlich und ausgeglichen beschrieben wurde. Der einzige, eine MDTK-Erkrankung auslösende Faktor, der vom Hundehalter in einem Zeitraum von acht Stunden vor einem MDTK genannt wurde, war das Auftreten von Stress für ihren Hund. Diese Daten wurden bei weiteren 2000 Showhunden erhoben, bei denen die Gestalt von Brustkorb und Bauch gemessen und Temperament und Persönlichkeit des Hundes durch den Wissenschaftler und den Besitzer eingeschätzt wurde. Der detaillierte Fragebogen enthielt auch Fragen an den Besitzer bezüglich der Ernährung des Hundes und seiner Umgebung. Jeder Hund wurde bis zu zwei Jahre regelmäßig nachuntersucht, um das Auftreten eines MDTK zu erfassen. Die Ergebnisse der epidemiologischen Studien lassen bisher vermuten, dass "Stress" besonders bei stark nervösen oder ängstlichen Hunden, Veränderungen in gastrointestinalen Funktionen, z.B. in der funktionalen Beweglichkeit, hervorruft, die für einen MDTK prädisponieren können. Hastiges Fressen wiederum stellt eine Charakteristikum nervöser Hunde dar und resultiert in vermehrter Luftaufnahme während der Nahrungsaufnahme, die zu einer Erweiterung des Magens führt. Eine breite oder schmale Brustkorb- oder Bauchregion, die genetisch bestimmt ist, kann einen geeigneten Raum zur Verfügung stellen, in dem der Magen rotieren kann. Solche Ereignisse treten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit bei Hunden auf, die nur einmal täglich gefüttert werden, da dies die maximale Dehnung des Magens auf regulärer Basis fördert. Diese vermutete Ereigniskette reicht jedoch noch nicht aus, um alle klinischen und physiologischen Befunde bei Hunden mit einem MDTK zu erklären und bedarf deshalb noch weitere Untersuchungen.